BuchcoverMein Vater hat sich im Juli 2008 das Leben genommen. Sein Tod hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, mich in vielerlei Hinsicht überfordert und ein Thema in mein Leben gebracht, mit dem ich mich zuvor nicht beschäftigt hatte. In den ersten Jahren danach war es schwierig für mich über das Thema zu reden, gleichzeitig wollte ich das aber unbedingt machen. In unserer Gesellschaft ist der Tod schon ein Tabu, der Suizid wirkt wie ein Tabu innerhalb dieses Tabus. Es ist keines, das ich für mich erzeugt habe, im Gegenteil, meine Familie ist von Anfang an offen mit dem Tod meines Vaters umgegangen. Das Tabu, es kommt von anderen. Und es macht es schwer, darüber zu reden. Doch die Sprachlosigkeit und Stille schadet. Sie schadet jenen, die jemanden verloren haben, weil sie mit ihrer Fassungslosigkeit und ihrem Schmerz alleine bleiben. Und sie schadet auch denen, die daran denken, sich zu töten. Weil es ihnen damit so schwer gemacht wird, sich zu öffnen, darüber zu reden und Hilfe zu bekommen. Ich bin Journalistin und ich glaube, ich muss mir Dinge erklären können, um sie zu verstehen. So habe ich angefangen, mich mit dem Thema Suizid zu beschäftigen. Anfangs für mich, schließlich öffentlich. Über meine Erinnerungen, Reflexionen und Recherchen habe ich ein Buch geschrieben. Darin verarbeite ich auch Texte meines Vaters und schreibe über sein vielseitiges und rastloses Leben. Das Buch ist im November 2014 im S. Fischer-Verlag erschienen und im Handel erhältlich. Bestellt werden kann es auf der Website des Verlags, aber auch bei Amazon (auch für den Kindle) oder Thalia.

 

Das Öffentlichmachen dieser Erfahrung hat etwas mit meiner Aufarbeitung zu tun. Und damit, dass ich mich nach seinem Tod lange Zeit furchtbar alleine gefühlt habe. Es heißt, jeder Suizidtote hinterlässt drei bis fünf enge Angehörige. In Deutschland wären das in den vergangenen zehn Jahren zwischen 300.000 und 500.000 Menschen, in Österreich zwischen 42.000 und 70.000. Ich will diesen Menschen eine Stimme geben. Mittlerweile mache ich Seminare und Lesungen zu den Themen Suizid, Suizidberichterstattung, Trauer und den Umgang mit dem Tod. Manchmal fragen mich Menschen dort, ob es nicht eine Art der Selbstgeißelung ist, mich ständig weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Das finde ich nicht. Das Thema ist da. Es ist in meinem Leben. Mein Bruder, mein Vater, sie sind tot und ich vermisse sie. Es macht mir nichts aus, darüber zu reden, solange ich Momente und Pausen habe, die nur für mich sind oder in denen ich mich mit etwas gänzlich anderem beschäftige. Mir geht es heute wieder richtig gut, ich bin die meiste Zeit sehr glücklich und sehr zufrieden. Es war ein wichtiger Moment für mich zu verstehen, dass ich nie wieder der Mensch sein werde, der ich früher war. Und dass das in Ordnung ist. Man kann manches nicht ungeschehen machen. Der Tod meines Vaters, der Tod meines Bruders, sie gehören zu meinem Leben. Sie bedeuten nicht, dass dieses Leben nicht trotzdem ein erfülltes und glückliches sein kann. Das versuche ich weiterzugeben: dass man sich Zeit nehmen kann, um zu trauern. Dass man Geduld mit sich haben darf. Dass man wieder glücklich sein wird. Und dass man erneut traurig werden kann. Trauer ist ein Gefühl wie Wut oder Liebe. Manchmal empfindet man es stärker und manchmal gar nicht. Aber es ist da. Man kann darüber reden und meistens tut das gut.

 

Über mich

Ich bin im Südburgenland aufgewachsen und lebe und arbeite momentan in Hamburg, Wien und im Südburgenland. Nach der Matura habe ich ein Jahr lang gearbeitet, dann Geschichte studiert und anschließend war ich auf einer Fachhochschule für Journalismus. Neben dem Studium habe ich begonnen Artikel zu schreiben, zunächst als freie Redakteurin bei der Wiener Wochenzeitung FALTER (bis 2006), dann als Politikredakteurin beim Monatsmagazin DATUM (2006 - 2009). Ab 2008 war ich Redakteurin bei derStandard.at und seit 2010 bin ich Journalistin bei der Tageszeitung DER STANDARD. Nebenher habe ich Artikel in der Österreich-Ausgabe der ZEIT veröffentlicht. Der Text, den ich über den Tod meines Vaters geschrieben habe (wer ihn nachlesen mag, hier der Link: Papa hat sich erschossen), sorgte für große Resonanz und wurde mit der Ehrenden Anerkennung des Leopold Ungar Journalismuspreis der Caritas (2013) und dem Claus Gatterer Anerkennungspreis (2013) ausgezeichnet. Das Buch, das ich über das Thema geschrieben habe, ist mein erstes.

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Gern stehe ich für Lesungen aus meinem Buch und Vorträge (Umgang von Medien und Gesellschaft mit dem Thema Suizid) zur Verfügung. Sie können mit mir per Mail Kontakt aufnehmen. Entweder schreiben Sie mir an office@saskiajungnikl.com oder Sie verwenden die Eingabemaske. Pressefotos sind auf Anfrage verfügbar. Für den Inhalt hier verantwortlich: Saskia Jungnikl, 22085 Hamburg / 1170 Wien